Über 100 Jahre evangelische Kindergärten in Waldbröl – von den Anfängen bis zur heutigen Vielfalt
Im Jahre 1912 kam Pastor Meiswinkel nach Waldbröl und übernahm hier seine erste Pfarrstelle. Am 17. September 1912 heiratete er seine Frau, eine geborene Walter aus Potsdam. Rückblickend berichtete sie in ihrem Todesjahr 1918 in der Zeitschrift „Der Bote für die deutsche Frauenwelt“: „Der Kindergarten ist 1913 von der Frauenhilfe ins Leben gerufen worden und wird von mir geleitet.“ Frau Meiswinkel war bereits im Juli 1912, zwei Monate vor ihrer Heirat, zur Vorsitzenden der Frauenhilfe gewählt worden.
Der Hintergrund für die Gründung des Kindergartenvereins wird verständlich, wenn man die damalige Zeit betrachtet. Frau Paula Barth, geborene Reininghaus, die in den Anfängen unseres Kindergartens als „Kleinkinderlehrerin“ mitarbeitete, berichtete, dass Frau Pastor vor der eigentlichen Gründung des Kindergartens die Kinder im Hause Schumacher in der Poststraße – ihrer damaligen Wohnung vor der Heirat – betreute. Als die Gruppe jedoch immer größer wurde, zog man in das Gemeindehaus um.
Auf dem ältesten Bild der Kinder unseres Kindergartens, aufgenommen am 14. Februar 1914, sind auch die ersten Helferinnen zu erkennen: Ida Bau, Lina Hartmann und Elfriede Dick. Weitere Hinweise finden sich im ersten „Journal“ des Kindergartens, in dem von Oktober 1913 bis 1922 die Namen der Kinder verzeichnet sind, die damals im Wiedenhof betreut wurden. Auch die Mitglieder des Kindergartenvereins und die Namen seiner Freunde sind darin festgehalten. Einnahmen und Ausgaben lassen sich in diesem Buch bis 1935 nachvollziehen.
Nach den ersten Jahrzehnten der Kindergartenarbeit wurde die Einrichtung kontinuierlich weiterentwickelt. Im Jahr 1957 baute die Gemeinde das Jugendheim neben dem Gemeindehaus um. Der Kindergarten, der sich zuvor im alten Gemeindehaus befand, erhielt dort neue Räume. Auch der Außenbereich wurde umgebaut und grundlegend renoviert.
Rund dreißig Jahre später stellte sich aufgrund des geplanten Neubaus des Gemeindehauses (1977–1981) die Frage nach der zukünftigen Unterbringung des Kindergartens. Das Presbyterium beschloss, für den Kindergarten eigene Räume zu schaffen und ihn vom Gemeindehaus zu trennen. Nach verschiedenen Überlegungen einigte man sich auf den Standort in der Oststraße. Dort wurde ein neuer zweigruppiger Kindergarten gebaut, der am 16. August 1979 feierlich eingeweiht wurde. Der von Architekt Werner Schöpe aus Drabenderhöhe entworfene Bau bildete die Grundlage für die weitere Entwicklung der evangelischen Kindergartenarbeit. Mittlerweile ist aus der zweigruppigen Kita ein viergruppiges Familienzentrum entstanden.
Die erfolgreiche Arbeit der evangelischen Kirchengemeinde setzte sich fort. Mit dem wachsenden Bedarf an Betreuungsplätzen und dem Wunsch, Familien weiterhin umfassend zu unterstützen, entstanden weitere Einrichtungen. Im Jahr 2020 wurde die Kita Wassertropfen eröffnet und erweiterte das Angebot der evangelischen Kindertagesstätten. Im Jahr 2025 kam die Kita Himmelsstürmer hinzu.
Damit hat die Kirchengemeinde im Laufe ihrer Geschichte drei weitere Kindergärten aufgebaut und ihr Engagement für Kinder und Familien stetig ausgebaut. Von den bescheidenen Anfängen im Jahr 1913 bis zu den heutigen Einrichtungen steht die evangelische Kindergartenarbeit für eine kontinuierliche Entwicklung, für Gemeinschaft und für die Begleitung von Kindern und Familien in unterschiedlichen Zeiten.